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Was ist überhaupt 'Lotus Notes/Lotus Domino'?                                   [Diese Seite ist 'fast' fertig]

Lotus Notes ist ein dokumentenorientiertes, verteiltes Datenbanksystem mit sehr enger E-Mail-Anbindung. Es wurde ab 1984 von Iris Associates entwickelt, einem späteren Tochterunternehmen der Lotus Development Corporation respektive von IBM. Lotus Notes gehört in die Kategorie Groupware und wird von ca. 128 Mio. Anwendern (Stand: 2006, Angaben von IBM Lotusphere 01/2006) weltweit genutzt.

Lotus Domino bildet die Grundlage für Collaboration, E-Business und Messaging im Unternehmen. Sein Design ist auf Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit, Interoperabilität und Performance ausgelegt und umfasst eine Reihe von Tools für erhöhte Stabilität und vereinfachte Verwaltung von Systemen.

Lotus Notes ist wie andere Datenbankmanagementsysteme (DBMS) eine Plattform für die Entwicklung von Anwendungen. Die Anwendungen E-Mail (inkl. Kalender, Aufgabenliste), E-Diskussion, „TeamRoom“ und mehrere andere Anwendungen sind im Lieferumfang inbegriffen. Der Quellcode für diese Anwendungen ist offen und in den Datenbank-Templates enthalten. Verschiedene Sprachen können für die Anwendungsentwicklung eingesetzt werden. Die wichtigsten Sprachen sind die Lotus-Notes-Formelsprache, LotusScript (sehr ähnlich Visual Basic), sowie Java und JavaScript. Lotus-Notes-Anwendungen sind Client-Server-Anwendungen (Client-Server-System). Dabei werden – vereinfacht dargestellt – die Daten auf dem Lotus Domino-Server gespeichert und die Benutzer-Interaktionen auf dem Lotus Notes-Client durchgeführt. Daten können vom Client zudem als abgeglichene lokale Replik der Server-Datenbank oder als eigenständige Datenbank verwaltet werden. Immer häufiger kommt auch der Internet-Browser als Client zum Einsatz.

  • Replikation von Notes-Datenbanken zwischen Servern über verschiedenste Protokolle sowie Replikation von Notes-Datenbanken zwischen Notes-Client und Domino-Server: Dabei werden die verschiedenen Instanzen einer verteilten Datenbank automatisch abgeglichen. Da dies auch über sehr langsame Verbindungen (z. B. 9600 bit/s) funktioniert, eignet sich Notes auch für den Einsatz in geographischen Gebieten, die noch nicht durch schnelle Kommunikationsleitungen erschlossen sind.

  • Rapid Application Development & Deployment (RADD) mittels Lotus Domino Designer: Durch den Einsatz von Viertgenerationssprachen (4GL) können Anwendungen mit geringem Aufwand entwickelt und gewartet werden, und mittels Replikation werden nicht nur Daten, sondern auch Design-Elemente (Masken, Ansichten, Agenten etc.) auf alle Server und Clients automatisch verteilt. Diese Fähigkeit senkt Entwicklungs-, Wartungs- und Administrations-kosten im Vergleich mit konventionellen Entwicklungsumgebungen.

  • Volle Offline-Funktionalität: Eine Notes-Anwendung, die auf einem Domino-Server betrieben wird, kann i. d. R. vollständig identisch auf einem Laptop benutzt werden, der offline betrieben wird, also nicht mit einem Server verbunden ist (z. B. in der Bahn oder im Flugzeug).

  • Dokumentenorientiertes nicht-relationales DBMS mit enger E-Mail-Integration, integrierter Benutzerverwaltung und zahlreichen Services (HTTP, HTTPS, SMTP, LDAP, POP3, IMAP4, NNTP, RSS, Webservices, MAPI ...)

  • Integrierte Public-Key-Infrastruktur (PKI): Ein Notes-Benutzer benötigt für die Arbeit eine Notes-User-ID. Diese enthält Zertifikate, einen Öffentlichen Schlüssel, einen dazu passenden Privaten Schlüssel und gegebenenfalls Schlüssel zur symmetrischen Verschlüsselung. Dasselbe gilt für Server. Die im Allgemeinen bei PKI aufwändige Administration der IDs respektive der öffentlichen Schlüssel in Verzeichnissen ist bei Lotus Notes/Domino im LDAP-fähigen Domino Directory bereits enthalten.

Funktionen
Grundsätzlich sind umfangreiche Datenbanken mit artikelförmigem Inhalt möglich. Es lassen sich beliebige Dateianhänge einlagern. Standardanwendungen in Notes sind eine Mail-Datenbank inkl. Kalender und Aufgaben-Verwaltung. In der Kalender-Anwendung können Termine verwaltet und Einladungen an Teilnehmer verschickt werden. Ferner ist es möglich, die freien Zeiten der Teilnehmer zu prüfen sowie Räume und Geräte (zum Beispiel Projektor, Flipchart, Firmenwagen) zu reservieren, die in der Reservierungsdatenbank (ress.nsf) verwaltet werden. Es gibt weitere Datenbankvorlagen (Schablonen) wie zum Beispiel Diskussions- und Teamdatenbanken. Alle Datenbanken können über den Notes-Client und Web-Browser bedient werden. Die Entwicklung von eigenen Anwendungen ist mit dem Domino Designer möglich. Daten und Gestaltung einer Anwendung werden in einer gemeinsamen Datenbank gespeichert. Alle Inhalte dieser Datenbank (Design und Daten) werden in so genannten Dokumenten gespeichert, daher auch der Name „Notes“ für „viele Dokumente“. Diese Eigenschaft ist eine der markantesten, da alles ein „Dokument“ ist.

Der Domino-Server
liefert mehrere Dienste. Er ist zunächst ein Datenbank-Server, der Notes-Dokumente an die Notes-Clients liefert. Dann gibt es einen Router-Server-Task (Task „router“), der sowohl das native Domino Routing-Protokoll NRPC (Notes Remote Procedure Call) als auch das Simple Mail Transport Protokoll (SMTP) zum Senden von Mails ins Internet beherrscht. Der dazugehörige SMTP-Servertask (Task „smtp“) dagegen sorgt dafür, dass Internet Mails auf diesem Server empfangen werden können.

Ferner gehört auch ein HTTP-Server zum Lieferumfang (Task „http“) sowie weitere Server wie z. B. IMAP, POP3, LDAP. In den verschiedenen Datenbanken werden die Daten gemeinsam mit der Anwendungslogik und der Benutzeroberfläche abgelegt. Im Lieferumfang sind schon mehrere Anwendungen mit dabei: unter anderem E-Mail (inkl. Kalender und Aufgabenliste), Reservierungsdatenbank und Adressverwaltung.

Im Gegensatz zu anderen Datenbankensystemen können die Datenbanken auch ohne Verbindung (Offline) zum Lotus Domino Server, nur mit dem Lotus Notes Client, genutzt und bearbeitet werden. Sobald wieder eine Verbindung zwischen Client und Server besteht werden die Änderungen an den Daten je nach Konfiguration automatisch – gemäß den definierten Verbindungsintervallen – oder auch manuell in beide Richtungen abgeglichen.

Dieses Konzept ist aus der Theorie der verteilten Datenbanken bekannt als Replikation. Wenn ein Notes-Client (oder ein Domino-Server) mit einem Domino-Server Datenbanken repliziert, werden nur neue und geänderte Dokumente übertragen. Bei Bedarf kann auch nur ein Teil der Gesamtdaten repliziert werden, dies kann dann über die Replizierparameter für jede Datenbank eingestellt werden (selektive Replikation). Der Replikationsmechanismus kann Änderungen an Dokumenten auf Feldebene erkennen und bei umfangreichen Dokumenten nur die geänderten Feldinhalte übertragen. Dadurch wird die zur Verfügung stehende Netzwerk-Übertragungskapazität effizient genutzt.
Die in Lotus Domino integrierte Streaming-Funktion beschleunigt die Replikation. So werden kleine Dokumente zuerst repliziert, damit der Anwender bereits damit arbeiten kann, während die Replikation umfangreicherer Dokumente noch läuft. Der Anwender kann auch verschiedene Arbeitsumgebungen festlegen (z.B. Zuhause, Büro) und die Replikationseinstellungen für diese definieren.

Bei Organisationen, die nur „dünne“ Kommunikationsleitungen (z. B. analoge Telefon-Modems, 56 kbit/s) haben, können die Replikationszeitpunkte auf Niedertarifzeiten (vor allem Nachts) gelegt werden und relativ große Datenmengen günstig und ohne die Anwender zu behindern übertragen werden.

Arbeiten „off-line“: Der Einsatz von Lotus Domino lohnt dann, wenn Mitarbeiter auch unterwegs einen gesicherten Zugriff auf wichtige Datenbanken benötigen.

Domino-Server können in Domino-Clustern betrieben werden. Dabei werden zwei oder mehr Domino-Server einander zugewiesen. Das darunter liegende Betriebssystem spielt dabei keine Rolle, so ist es möglich, dass ein Domino-Server auf Windows mit einem anderen Domino-Server auf AIX einen Domino-Cluster bilden. Ein Domino-Cluster kann aus Servern verschiedener Versionen aufgebaut werden. Domino-Cluster haben nichts mit Clustern auf Betriebssystemebene zu tun. Bei Ausfall des einen Domino-Servers übernimmt der Client den Wechsel auf einen anderen Domino-Server des Clusters. Cluster werden eingesetzt, um die Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit zu maximieren (bei einem Serverausfall bzw. zur Lastverteilung).

Beim Kauf von Lotus Domino und Lotus Notes muss der Kunde gegenüber Exchange und Outlook zwar tiefer in die Tasche greifen, er erhält dafür jedoch ein weitaus größeres Leistungsspektrum. Für Unternehmen, die eine komplette Collaboration-Umgebung benötigen und eigene Anwendungen entwickeln möchten, ist Lotus Domino eindeutig die beste Wahl. Wer nur grundlegende E-Mail- und Groupware-Funktionen benötigt, kommt eventuell mit Exchange aus.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die hohe Investitionsrentabilität, die viele Unternehmen mit Lotus Domino erreichen. Diese kommt nicht von ungefähr: Lotus Domino weist ein konsistenteres Framework als Exchange auf, seine gängigen Toolkits sind besser integriert, und vor allem stellt es bei weitem die bessere Plattform zur Anwendungsentwicklung dar.

 

Quellen:
http://www.zdnet.de
http://de.wikipedia.org